Korfanty vertrat zuerst als Abgeordneter die Interessen der polnischen Oberschlesier. Nach der Wiederherstellung des polnischen Staates kämpft er gegen die Volksabstimmung. Als sich die Mehrheit für Deutschland ausspricht, ruft er den dritten polnischen Aufstand aus.
Wojciech Korfanty, 1873 in der Wojewodschaft Kattowitz als Sohn eines Bergarbeiters geboren, studiert an der
Technischen Universität in Berlin und kehrt als Anhänger der von Roman Dmowski gegründeten Nationaldemokratischen Partei (Stronnictwo Demokratyczno Narodowe)nach Kattowitz zurück. Hier arbeitet er als Zeitungsredakteur, bevor er von 1903 bis 1912
sowie im Jahr 1918 für die Nationaldemokraten in den Berliner Reichstag gewählt wird. Als schlesischer Abgeordneter kümmert er sich vor allem um die Probleme, die aus den nationalen Gegensätzen in Oberschlesien entstehen. Daneben ist er seit 1904 Mitglied des Preußischen Landtages. Im 1918 wiederhergestellten polnischen Staat engagiert sich Korfanty für die Vereinigung Oberschlesiens mit Polen.
Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages gehört Oberschlesien, das polnische Gorny Slask, fortan dem polnischen Staatsgebiet an. Die ansässige deutsche Bevölkerung erreicht jedoch mit Massenprotesten eine Volksabstimmung gemäß dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, das US-Präsident im Januar 1918 in
seinen Vierzehn Punkten proklamiert hatte. Die Wähler entscheiden über die Zugehörigkeit der Region zu Deutschland oder Polen. In dieser nationalistisch aufgeheizten Atmosphäre
übernimmt Wojciech Korfanty die Führung einer Gruppe bewaffneter Polen. Diese Gruppe unternimmt den Versuch, die deutsche Bevölkerung durch Terror und leere Versprechungen auf ihre Seite zu ziehen. Um der bevorstehenden Abstimmung zuvorzukommen, rufen sie in der Nacht vom 16. zum 17. August 1919 den ersten „polnischen Aufstand“ aus, der die Entscheidung für Polen erzwingen soll. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes wird die Verwaltung dieses Gebietes im Februar 1920 der „Interalliierten Kommission für Regierung und Abstimmung“ übertragen. Korfanty erhält von der polnischen Regierung den Auftrag, die Organisation und Durchführung der Volksabstimmung kommissarisch zu leiten. Nachdem auch der zweite polnische Aufstand vom 20. August 1920 gescheitert ist, findet die Volksabstimmung am 20. März 1921 statt. Der Wahltag beschert der polnischen Seite eine herbe Niederlage: 59,6% der Bewohner Oberschlesiens entscheiden sich für die
deutsche Zugehörigkeit, während sich nur 40,3% für Polen aussprechen. Als das Ergebnis bekannt wird, ruft Wojciech Korfanty seine Anhänger auf, zu den Waffen zu greifen und Oberschlesien mit Gewalt zu besetzen. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1921 wird der dritte polnische Aufstand ausgerufen, der nach seinem Anführer als „Korfanty-Aufstand“ benannt worden ist. Dieser von Terror, Mißhandlungen
und Erpressungen begleitete Aufstand wird am 26. Mai durch deutsche Selbstschutzverbände und Freikorps niedergeschlagen, die Korfanty und seine bewaffneten Anhänger mit Hilfe alliierter Truppen am Annaberg besiegen. Wojciech Korfanty wendet sich nach dieser Niederlage wieder der parlamentarischen Bühne zu und ist von 1922 bis 1930 Mitglied des polnischen Parlamentes, wo er die Interessen der Christlichen Demokraten vertritt. Als entschiedener Gegner der Politik Jozef Pilsudskis wird er im Jahr 1930 verhaftet und entschließt sich nach seiner Freilassung im April 1935 zur Emigration. Er geht zunächst in die Tschechoslowakei, die er jedoch 1938 nach der Besetzung durch die deutschen Truppen wieder verläßt und geht nach Frankreich. Angesichts der drohenden Gefahr eines Zweiten Weltkrieges kehrt er in sein Heimatland zurück, wo er erneut inhaftiert wird. Nach drei Monaten wird er wegen schwerer Krankheit aus der Haft entlassen und stirbt am 17. August 1939 in Warschau.
| 1919 | Januar 1919 | 28.6.1919 | 1921 | 1921-39 | 1933 | 10.1.1934 | 5.1.1939 | 25.8.1939 | 1.9.1939 | 1.9.1939 | 3.9.1939 | 1939-45 | 1940 | 3.4.1940 | 1942 | 1.8.1944 | 2.5.1945 |