Roman Dmowski entwirft als Führer der „Nationaldemokratischen Partei“ das Programm eines „allpolnischen“ Nationalismus mit stark antideutschen und antisemitischen Zügen.
Roman Dmowski wird am 9. August 1864 als Sohn eines einfachen Geschäftsmannes in die beengten Verhältnisse einer Warschauer Vorstadt hineingeboren. Er studiert Naturwissenschaften an der Universität Warschau und gehört kurze Zeit dem Jugendverband der Polnischen Liga an. 1892 wird er nach der Organisierung einer patriotischen Studentendemonstration auf der Warschauer Zitadelle inhaftiert und des Landes
verwiesen. Im folgenden Jahr steht er nach seiner Entlassung an der Spitze der von ihm gegründeten „Nationalen Liga“, aus der 1897 die Nationaldemokratische Partei hervorgeht. Nach einem prägenden Besuch in Westeuropa kehrt er 1895 nach Polen zurück und wird Redakteur des Przeglad Wszechpolski (Allpolnische Rundschau) in Lwow (Lemberg). Daneben erwirbt er sich Anerkennung als Autor von „Mlodziez polski“ (Polnische Jugend) und
„Mysli nowoczesnego Polaka“ (Gedanken eines modernen Polen), ein Werk aus dem Jahr 1903, in dem er das Programm der nationaldemokratischen Bewegung entwirft. Als Parlamentsabgeordneter der russischen Duma setzt sich Dmowski für eine Zusammenarbeit mit den zaristischen Behörden ein, um hier Zugeständnisse für die nationalpolnischen
Ziele zu erreichen. 1911 organisiert er einen Boykott gegen ein jüdisches Unternehmen, woraufhin ihm sein russisches Abgeordnetenmandat entzogen wird. Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges begibt sich Roman Dmowski in die Schweiz, um sich von hier aus bei den Westmächten für eine Lösung der polnischen Fragen einzusetzen. Im August 1917 gründet er das polnische Nationalkomitee, dessen Vorsitzender er wird. Im Gegensatz zu seinem politischen Widersacher Jozef Pilsudski vertritt Dmowski die Vorstellung eines
„piastischen Staates“, der eine homogen-polnische Bevölkerung mit erheblichen Teilen des deutschen Staatsgebietes umfaßt. Diese Vorstellung versucht er als Delegationsleiter auf der Pariser Konferenz 1919 durchzusetzen. Nach dem Scheitern dieser Pläne und dem Sieg
Pilsudskis zieht er sich zunächst aus der Politik zurück, wendet sich jedoch noch einmal
1923 als Außenminister und 1928 als Gründer des "Großpolnischen Lagers" der politischen Bühne zu. Ansonsten widmet er sich dem Verfassen zahlreicher Texte, in denen er das Programm eines „allpolnische“ Nationalismus mit eindeutig antideutscher und antisemitischer Prägung entwirft. Im Gegensatz zu Pilsudski, der ein Gleichgewicht zwischen der Sowjetunion und Deutschland anstrebt, erachtet Dmowski das Deutsche Reich als größten Feind Polens. Roman Dmowski stirbt am 2. Januar 1939 und wird im Beisein einer großen Schar von Anhängern beigesetzt.
| 1919 | Januar 1919 | 28.6.1919 | 1921 | 1921-39 | 1933 | 10.1.1934 | 5.1.1939 | 25.8.1939 | 1.9.1939 | 1.9.1939 | 3.9.1939 | 1939-45 | 1940 | 3.4.1940 | 1942 | 1.8.1944 | 2.5.1945 |