Den polnisch-jüdischen Revolutionär verband eine enge politische und private Beziehung mit Rosa Luxemburg. Wie sie war er ein führendes Mitglied der Spartakusgruppe und wurde in der Revolution 1918/19 ermordet.
Leo Jogiches, der jüdischer Herkunft war, wurde 1867 in Wilna geboren. Er entstammte einer reichen Kaufmannsfamilie. Im Alter von 18 Jahren schloß er sich der revolutionären Volkstümler-Partei an und hatte auch Kontakt zu deren terroristischer Gruppe. 1888 wurde er wegen „aktiver Propaganda staatswidriger Ideen unter den Arbeitern“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Nach zwei Jahren Haft gelingt es ihm,
in die Schweiz zu flüchten, wo er sich der marxistischen Gruppe Georgij Plechanows anschloß. 1893 gründet er gemeinsam mit Rosa Luxemburg und Julian Marchlewski die Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauen (SDKPiL). Er gehörte fortan ihrer Auslandsleitung an und hatte zeitweise die alleinige Führung inne. 1900 folgte er Rosa Luxemburg nach Deutschland, wo die beiden eine intensive politische Zusammenarbeit innerhalb der deutschen Sozialdemokratie begannen. Auch privat waren sie ein Paar. Als in Rußland 1905 die Revolution ausbrach, eilte er ins russische Polen und organisierte Streiks der Warschauer Arbeiter. Im Jahr darauf wurde er von den zaristischen Behörden verhaftet und zu acht Jahren schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Doch schon bald gelang Jogiches ein weiteres Mal die Flucht nach Westen. Als der erste Weltkrieg ausbrach, verlor er seine Kontakte nach Polen und engagierte sich dafür um so mehr in der deutschen Sozialdemokratie. Er gehörte der linksradikalen, konspirativen, gegen die Burgfriedenspolitik der SPD-Leitung opponierenden
Spartakusgruppe an, die eine Keimzelle der USPD und dann der KPD war. Sein Organisationstalent, seine Erfahrung in der Untergrundarbeit und auch sein Machtbewußtsein wiesen ihm eine Führungsrolle zu, zumal andere führende Mitglieder immer wieder in Haft waren. Auch Jogiches wurde im März 1918 wegen seiner Agitation während der Streiks
zu Anfang des Jahres verhaftet. Erst die Novemberrevolution brachte ihm wieder die Freiheit. Im Dezember nahm er an der Gründungsversammlung der KPD teil. Während der Märzkämpfe 1919 wurde Jogiches verhaftet und anschließend im Untersuchungsgefängnis Moabit in Berlin ermordet.
| 1919 | Januar 1919 | 28.6.1919 | 1921 | 1921-39 | 1933 | 10.1.1934 | 5.1.1939 | 25.8.1939 | 1.9.1939 | 1.9.1939 | 3.9.1939 | 1939-45 | 1940 | 3.4.1940 | 1942 | 1.8.1944 | 2.5.1945 |