Julian Tuwim, Schriftsteller

geboren13.9.1894 in Lodz
gestorben27.12.1953 in Zakopane

Julian Tuwim verfaßt neben Lyrik Satiriken, Polemiken, Gebrauchsliteratur fürs Kabarett und Schlager.

Julian Tuwim wird am 13. September 1894 in einer jüdischen Buchhalterfamilie in Lodz geboren. Als Student der Universität in Warschau beteiligt er sich an der Studentenzeitschrift „Pro Arte et Studio“ und ist Mitbegründer der kabarettistischen Zeitschrift „Pod Picadorem“. Ebenso ist er Mitglied der neu gegründeten Zeitschrift „Skamander“, als deren bester Autor er bald gilt. Die Gruppe der „Skamandriten“, zu der neben Tuwim bekannte Dichterpersönlicheiten wie J. Iwaszkiewicz oder A. Slonimski gehören, verfügt über kein ausformuliertes Programm - die Dichter vereint die Freude über die wiedergewonnene Freiheit und die Absage an die bisherige

Julian Tuwim
Vollbild mit Infos
Julian Tuwim

Deutsche-und-polen.de bietet mit fast 400 Videos und 500 Textstatements einen bilderreichen und informativen Streifzug durch 1000 Jahre wechselvoller deutsch-polnischer Nachbarschaft.

Selbstauffassung der polnischen Literatur als nationale Berufung.Bereits frühzeitig sorgt Julian Tuwim mit seinen Gedichten für Aufmerksamkeit und ruft mit seinem brutal-vitalisierenden, den Bodensatz der Großstadt verherrlichenden Gedicht „Wiosna“, zu Deutsch „Der Frühling“, 1916 einen Literaturskandal hervor. In seinen ersten vier Gedichtbänden,

Vollbild mit Infos
Marcel Reich im Jahre 1941
Reich-Ranicki Marcel

die zwischen 1918 und 1923 erscheinen, stellt der Dichter ein positives Bild der Großstadt dar und schafft einen für Polen völlig neuen lyrischen Helden - die graue Masse der urbanen Unterschichten. Dem neuen Staat und seinen Trägern steht Tuwim zunächst positiv gegenüber, doch wendet er sich mit dem zunehmend autoritären Charakter der Regierung und dem wachsenden Antisemitismus im Land von der Regierungspolitik ab. Schon in den Jugendnotizen des jungen Dichters ist zu lesen: "Jedwede Vorwürfe: Du bist doch Jude! ­ wehre ich von Anfang an ab.“ Vor diesem Hintergrund wendet er sich in seiner Lyrik der ausweglosen Situation der assimilierten Juden zu, denen das Heimatrecht in der polnischen Literatur und Gesellschaft verweigert werde. Tuwim selbst wird in den dreißiger Jahren als „jüdischer Dichter in polnischer Sprache“ zur Zielscheibe antisemitischer Angriffe.
Daneben beschäftigt sich der Dichter mit der Existenzangst des modernen Menschen, schreibt Satiriken, Gebrauchsdichtung fürs Kabarett, Polemiken und sogar Schlagertexte.

Bereits seit 1919 ist Tuwim Mitarbeiter und späterer Leiter des literarischen Kabaretts in Warschau, das „Qui pro Quo“, das er 1932 verläßt. Des weiteren arbeitet er seit 1924 für die Wochenzeitschrift „Wiadomosci Literackie“, die „Literarischen Nachrichten“, und für verschiedene satirische Zeitschriften.
Noch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen verläßt Tuwim 1939 Polen und flüchtet über Rumänien nach Frankreich. Später führt ihn sein Weg nach Portugal, Brasilien und New York. Auch in der Emigration ist er für verschiedenen Zeitschriften tätig, darunter für das Monatsmagazin „Nowa Polska“, „Neues Polen“. 1946 kehrt er nach Polen zurück und leitet von 1947 bis 1950 das „Neue Theater“ in Warschau.
Sein Beziehung zur deutschen Literatur ist nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges äußerst zwiespältig, wie ein Gespräch mit deutlich macht, über das Marcel-Reich Ranicki in seinen Erinnerungen berichtet: „In einem dieser Gespräche fragte ich Tuwim nach seinem Verhältnis zur deutschen Literatur. Er antwortete, anders als sonst, sehr wortkarg:

Die Sprache der Deutschen sei ihm unverständlich und deren Literatur unbekannt. [...] Denn schließlich sprachen gebildete Juden, die vor dem Ersten Weltkrieg in Lodz aufgewachsen waren, nahezu alle Deutsch. Auch hatte er - ich erlaubte mir, dies respektvoll zu bemerken - einiges aus dem Deutschen übertragen [...]
Eine Freundin, der ich nachher über dieses Gespräch berichtete, meinte: „Es erstaunt mich, daß du dich wunderst. Viele seiner Angehörigen wurden von Deutschen ermordet, auch seine Mutter. Das ist für ihn noch kein Grund, etwas Abfälliges über die deutsche Sprache oder die deutsche Literatur zu sagen. Aber er will damit nichts, gar nichts mehr zu tun haben. Er hat dir das nicht deutlich gesagt, denn er ist ein taktvoller Mensch, und natürlich weiß er, womit du dich beschäftigst; er wollte dich nicht kränken. Vielleicht hat er sich im stillen über dich ein wenig gewundert. Das ist alles.“ Julian Tuwim ist als „einer der größten Meister der polnischen Sprache“ am 27. Dezember 1953 in seiner „eigentlichen Heimat,

die ihm niemand streitig machen konnte“, gestorben.ZitatSeiner eigenen Aufforderungen scheint er selbst nachgekommen zu sein: „Lebe so, daß sich Deine Bekannten langweilen, wenn Du gestorben bist.“

Vollbild mit Infos
Bruno Schulz
Bruno Schulz
Januar 1945    Mai 1945    17.7.1945    Herbst 1945    1952    1955    1958    18.11.1965    28.9.1969    1969    7.12.1970    1972    16.10.1978    1980    1981    12.11.1989    5.7.2002    13.12.2002    30.1.2003    31.5.2003    6.6.2003    8.6.2003    14.7.2003    13.12.2003    1.5.2004    13.6.2004    18.6.2004    1.8.2004    10.10.2004