Korczak widmet sich als Arzt, Pädagoge und Schriftsteller den Armen und Waisen, er leitet seit 1912 das jüdische Waisenhaus in Warschau. Nach der Umsiedlung des Waisenhauses ins Ghetto geht er mit den Kindern und wird mit ihnen 1942 ins Konzentrationslager Treblinka deportiert.
Janusz Korczak, der als Henryk Goldszmit 1878 in Warschau geboren wird, wächst als Kind einer assimilierten jüdischen Familie auf. Er nimmt das Studium der Medizin an der Universität in Warschau auf, wo er in Kreisen liberaler Schriftsteller und Pädagogen verkehrt. Nach dem Abschluß des Studiums entscheidet er sich gegen eine
akademische Karriere und widmet sich den Armen und Waisen in den Elendsvierteln Warschaus. Sein besonderes Interesse gilt dabei den Kindern. In dieser Zeit beginnt er mit der Veröffentlichung erster Schriften, darunter die „Straße der Kinder“, die auf großes Interesse stoßen. Als Ausdruck seines Abschieds von der privaten bürgerlichen Existenz nimmt er den Namen Janusz Korczak an, welcher der Geschichte von J.I. Kraszewski über "Janusz Korczak und die schöne Schwertfegerin" entnommen ist. Korczak fühlt sich als Arzt und Schriftsteller zu der Welt der Kinder hingezogen. Er arbeitet im jüdischen Kinderkrankenhaus und übernimmt 1912 die Leitung des neuen jüdischen Waisenhauses Dom Sierot in der Krochmalna-Straße in Warschau. Gemeinsam mit seiner langjährigen Kollegin Stefania Wilczynska erforscht er hier die kindliche Psyche und setzt seine pädagogischen Vorstellungen in die Praxis um. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht die
Anerkennung des Kindes als eigenständiges Wesens, wie er es in seinen Büchern, darunter „König Hänschen I.“ und der theoretischen Arbeit „Das Recht des Kindes auf Achtung“, ausdrückt. Er unterstreicht darin den gesellschaftlichen Konflikt zwischen Eltern und Kindern, die in einem Kampf stehen, in dem die Kinder hoffnungslos unterlegen sind. Nach
dem Ende des Ersten Weltkrieges übernimmt er ein weiteres Waisenhaus, das polnische Waisenhaus Nasz Dom, in dem er seine weiterentwickelten pädagogischen Methoden umsetzt. Die Zeit der 20er Jahre ist eine Phase intensiver Arbeit und Kontakte, in der Korczak neben seiner Arbeit in den Waisenhäusern als Lehrer in Internaten und Sommerlagern sowie als Hochschuldozent tätig ist. Daneben gibt er weitere Schriften heraus, wie zum Beispiel sein bedeutendes Werk „Wie man ein Kind lieben soll“. Nach der Machtübernahme des polnischen Diktators Jozef Pilsudski und dem Erstarken der radikalen Kräfte im Land verliert der liberale und weltoffene Janusz Korczak seine geachtete Position in der polnischen Gesellschaft. Er reagiert darauf tief enttäuscht und beginnt, sich für Zionismus und die jüdischen Gemeinden in Palästina zu interessieren. Die Pläne zur Übersiedlung nach Palästina setzt er jedoch nicht in die Tat um. Mit dem Beginn des Zweiten
Weltkrieges und dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen verweigert Korczak die Zusammenarbeit mit den deutschen Okkupanten und engagiert sich weiterhin für das Los der jüdischen Kinder. Als das Waisenhaus Dom Sierot in das neu errichtete Ghetto von Warschau umsiedeln muß, geht er mit den Kindern und lehnt Hilfsangebote verschiedener Freunde
außerhalb des Ghettos ab, die ihm Schutz und Unterkunft anbieten. Er ist nicht bereit, die Kinder alleine zu lassen und geht mit ihnen ins Warschauer Ghetto.
Hier schreibt er sein „Ghetto-Tagebuch“, eine Mischung aus Erlebnisbericht, Reflexionen und Memoiren, das zu den wichtigen literarischen Zeugnissen aus dem Warschauer Ghetto gehört. Am 5. August 1942 wird das Waisenhaus aufgelöst und Korczak mit den rund 200 Kindern nach Treblinka deportiert.
Emanuel Ringelblum, der Chronist des Warschauer Ghettos, beschreibt den fünf Kilometer langen Marsch der Waisen: „Das war kein Marsch zu den Waggons, es war ein organisierter stummer Protest gegen den Mord! [...] Die Kinder gingen in Viererreihen. Korczak voran, er blickte geradeaus und hielt an jeder Hand ein Kind...“ Heute sind zahlreiche Gesellschaften, Schulen und Institutionen nach Janusz Korczak benannt, dessen Persönlichkeit von der UNESCO geehrt worden ist.
| 1919 | Januar 1919 | 28.6.1919 | 1921 | 1921-39 | 1933 | 10.1.1934 | 5.1.1939 | 25.8.1939 | 1.9.1939 | 1.9.1939 | 3.9.1939 | 1939-45 | 1940 | 3.4.1940 | 1942 | 1.8.1944 | 2.5.1945 |