Friedrich war einer der drei europäischen Monarchen, die sich 1772 erstmals in gegenseitigem Einvernehmen polnisches Gebiet aneigneten.
Für Friedrich II. von Preußen war die Macht des eigenen Staats, der der Wohlfahrt seiner Bürger dienen sollte, oberstes Ziel der Politik. Der Macht des Staates dient wiederum seine Vergrößerung an Land und Leuten. In seinem politischen Testament von 1752 Kursachsen als an erster Stelle anzustrebende Erwerbung Preußens. An
zweiter Stelle nennt er das zum Königreich Polen gehörende Westpreußen, da sein Besitz die Verbindung zwischen Pommern und Ostpreußen herstellen würde. An gleicher Stelle vergleicht er
Polen mit einer Artischocke, die man Blatt für Blatt verspeisen müsse. Er schreibt: „Polen ist ein Wahlreich, beim Tode des jeweiligen Königs wird es jedesmal durch Parteikämpfe zerrissen. Das muß man sich zunutze machen und um den Preis seiner Neutralität bald eine Stadt, bald ein anderes Gebiet erwerben, bis man es geschluckt hat. ... Erwerbungen mit der Feder sind solchen mit dem Schwert allemal vorzuziehen. Man setzt sich weniger Zufällen
aus und schädigt weder seine Börse noch seine Armee.“ An die totale Beseitigung Polens, wie sie später in die Tat umgesetzte wurde, scheint er nie gedacht zu haben. Ihm erschien wohl ein polnischer Pufferstaat zwischen Preußen und Rußland als wesentlich vorteilhafter. Friedrich ist an einem auf Dauer schwachen Polen interessiert. Zudem wegen seiner blickt er wegen ihrer angeblichen
Rückständigkeit auf die Polen herab, bezeichnet sie als grausam und als das „niedrigste Volk Europas“. So übt er willkürlich Druck auf das Land aus. Mit Schlesien gewinnt er eine lange Grenze zu Polen, das er mit einem Zollkrieg unter Druck setzt, und dazu das ebenfalls von ihm begehrte Sachsen. Im siebenjährigen Krieg überschwemmt er Polen mit Falschgeld, um auf diese Weise den Krieg zu finanzieren. Als 1764 der Sejm eine Kommission einsetzt, um ein zeitgemäßes, einheitliches Zollsystem zu schaffen, läßt er bei Marienwerder solange die Schiffe auf der Weichsel beschießen, bis das Vorhaben aufgegeben wird. Dennoch werden seine Gelüste auf polnisches Territorium nach dem Siebenjährigen Krieg schwächer, denn er fühlt sich zu alt für einen weiteren Krieg. Er begnügt sich mit der Rolle eines Juniorpartners Rußlands bei dessen Einflußnahme auf Polen. 1770/71 weilt sein Bruder Prinz Heinrich von Preußen in Sankt Petersburg. Im Eindruck der Annexion polnischen Territoriums durch Österreich fördert er den Gedanken, Polen zu teilen und so für Preußen lange begehrte Gebiete
zu gewinnen. Es gelingt ihm, Friedrich zu überzeugen, der seinen
Meinungsumschwung mit dem Gleichgewichtsgedanken rechtfertigt: „Das eigentliche Ziel ist, Polen als ganzes zu erhalten, aber da die Österreicher es wünschen, einen Teil abzutrennen, ist es notwendig zu verhindern, daß diese Abtrennung das Gleichgewicht der Kräfte zwischen Österreich und Preußen durcheinanderbringt.“
Zwei Jahre später ist der Vertrag mit Rußland perfekt, Polen wird zum ersten Mal geteilt. Mit Polen, aber auch mit den mittleren und kleinen Territorien des deutschen Reiches und in Italien, stand die alte feudale Monarchie gegen Machtstaaten eines neuen Typs: „Das Schicksal Polens zeigt dieses Ausgeliefertsein der mitteleuropäischen Staatenwelt an die europäischen Großmächte in ihrer extremsten Form.“
| 19.2.1772 | 24.7.1792 | 1795 | 1800 | 19.10.1813 | 1815 | 1820 | 1830 | 2.8.1847 | 1848 | 8.2.1863 | 1864 | 1880 | 3.11.1894 | 1901 | 1904 | 26.8.1914 |