Der Maler und Graphiker war ein loyaler preußischer Untertan, der sich als Pole fühlte und dabei besser französisch als deutsch oder polnisch sprach.
Daniel Chodowiecki wurde 1726 in Danzig geboren. Sein Vater, dessen Vorfahren polnische Adelige gewesen waren, war dort Kaufmann. Seine Mutter stammte von französischen Glaubensflüchtlingen ab, die in Danzig Zuflucht gefunden hatten. Die Chodowieckis gehörten der französischen reformierten Gemeinde an, die Familie war französisch geprägt. So war Daniels Muttersprache französisch. Dazu sprach er deutsch und einige Worte polnisch, doch blieb das Französische immer seine erste Sprache.
Im Leben der Familie spielten die bildenden Künste eine wichtige Rolle als Freizeitbeschäftigung, wovon Chodowiecki, der nie eine professionelle künstlerische Ausbildung genoß, seine ersten Fertigkeiten und Anregungen erhielt. Als sein Vater früh verstarb, sollte er den Beruf eines Kaufmanns lernen und trat mit vierzehn Jahren in das
Geschäft einer Verwandten in Danzig ein. Nebenher bemalte er Emailledosen, mit denen ein Onkel mütterlicherseits in Berlin Handel trieb. Nachdem er nach nur drei Jahren seine Lehrstelle durch die Pleite des Geschäfts verloren hatte, ging er nach Berlin, um bei seinem Onkel zu lernen und zu arbeiten. Der Ortswechsel mag ihm so schwer nicht
gefallen sein, da er in Berlin eine französisch-reformierte Gemeinde vorfand. Später heiratete er in eine angesehene Refugié- Familie ein und erhielt auf diese Weise die starke französische und calvinistische Prägung seiner großen Familie. Sechzehn Jahre lang arbeitete Chodowiecki im Geschäft des Onkels. In dieser Zeit erwarb er sich einen Ruf als Miniaturenmaler und Illustrator, so daß er es riskieren konnte, sich im Künstlerberuf, den er immer als Handwerk verstand, selbständig zu machen. Tatsächlich lebte er gut von den Honoraren, die er für Miniaturportraits, Radierungen, Zeichnungen, Emaillearbeiten und Gemälde erhielt. Besonders wichtig wurden seine Radierungen, mit denen er Almanache, Kalender und Romane illustrierte, oder sie blatt- und serienweise verkaufte. Viele seiner Sujets zeigen die bürgerliche Lebenswelt seines Jahrhunderts. Einige Male reiste Chodowiecki nach Danzig. Die Geburtsstadt blieb ihm seine Heimat, „ma patrie“.
Dort verfertigte er zahlreiche Zeichnungen von Straßenszenen und Passanten, die von seinem besonderen folkloristischen Interesse an allem polnischen zeugen. „Das Polentum war für ihn eine Quelle der farbigen , exotischen Thematik, die er als Kind und später als Künstler neugierig anschaute.“ Doch ging sein Verhältnis zum Polentum über diese
künstlerische Faszination hinaus. Gerne verwies Chodowiecki auf seine polnisch-adelige Abkunft, und als Danzig 1795 endgültig an Preußen fiel, solidarisierte er sich mit den Polen, die gerade Opfer einer allgemein als skandalös empfundenen Machtpolitik geworden waren. Damals sagte er: „Ich mache mir eine Ehre daraus, ein wahrer Pole zu sein.“ Dabei war er ein loyaler Untertan des preußischen Königs, über den schlechtes zu sagen er niemandem gestattete. Chodowiecki starb 1801 in Berlin, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbracht hatte. Er war ein treuer preußischer Untertan, der sich als Pole fühlte, er sprach französisch besser als deutsch oder gar polnisch und war tief in der Ethik und Ideenwelt des Calvinismus verwurzelt. Somit läßt sich seine Identität keineswegs mit Nationalität in eins setzen, was er als Mensch des 18. Jahrhunderts wohl auch kaum als Problem empfunden haben dürfte.
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