Slubice

Die Frankfurter Dammvorstadt wurde 1945 zum polnischen Slubice. Heute sind sich die beiden Städte näher denn je.

Der Name Slubice findet sich schriftlich erstmals in einem Dokument vom Juni 1945, über sechs Wochen nach der Ankunft einer polnischen Verwaltung in der ehemaligen Dammvorstadt von Frankfurt/Oder. Der Name bezieht sich auf den slawischen Stamm der Slupian, der einst zwischen Oder und Spree ansässig war und noch im Flußname Slubi (Schlaube) enthalten ist. Im gleichen Monat mußten die Frankfurter die Vorstadt verlassen, damit Stalin die Westalliierten auf der Potsdamer Konferenz mit vollendeten Tatsachen konfrontieren konnte. Ein Großteil der Ausgewiesenen blieb im westlichen Teil Frankfurts.

Slubice
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Die Oderbrücke zwischen Frankfurt und Slubice

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An die Stelle der Deutschen traten Polen aus den verschiedensten Gegenden und mit den unterschiedlichsten persönlichen Hintergründen. Einige waren Zwangsarbeiter gewesen und dann direkt in Slubice geblieben. Etwa 40 % kamen aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten oder waren von den Sowjets deportiert worden. Andere kamen aus den

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Guben-Gubin
Guben - Gubin
Görlitzer Vertrag
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Görlitzer Abkommen

zentralen und südlichen Wojewodschaften, die z. T. unter Überbevölkerung litten und suchten in den „Wiedergewonnen Gebieten“ bessere Lebensbedingungen. Die Wiederbesiedlung ging sehr langsam voran. 1950 hatte Slubice gut 3000 Einwohner, die Zahl von 15.600 Menschen, die 1939 dort gelebt hatten, wurde erst Mitte der 80er Jahre erreicht. Als Hindernis für eine rasche Entwicklung erwies sich die

besonders scharfe Kontrolle des Grenzgebiets durch die Sicherheitsorgane, die auch durch die günstige Wohnungssituation nicht ausgeglichen werden konnte.
Ungeachtet der Propaganda, die seit dem Abschluß des Görlitzer Vertrages die Oder-Neiße-Grenze als „Friedens- und Freundschaftsgrenze“ bezeichnete, Zitat hatte die Grenze einen militärischen Charakter war für Deutsche wie Polen gleichermaßen undurchdringlich. Seit 1956 kam es mit der Entstalinisierung zu Kontakten auf offizieller Ebene. In jährlich erneuerten Verträgen stimmten sich Bezirke und Wojewodschaften Handelskontakte und repräsentative Treffen politischen, kulturellen oder sportlichen Charakters. Seit 1967 milderten Pendlerinnen aus Polen den Arbeitskräftemangel im Frankfurter Halbleiterwerk.
Völlig unerwartet von der Bevölkerung war ab 1.1.1972 der visafreie Reiseverkehr möglich. In diesem überquerten 200.000 DDR-Bürger die Grenze, um die Naturschönheiten und die relativen Freiheiten in Polen zu genießen. Andererseits zog das relativ reichhaltige Warenangebot in Ostdeutschland viele Polen an, und das Klischee vom „Polen, der alles

wegkauft“ entstand. Die deutschen Bewohner der Grenzstädte wiederum kauften auf der anderen Seite günstige Lebensmitteln. In Slubice wuchs die Gastronomie und neue Handelszentren entstanden in einer Stadt, die häufig mehr Übernachtungsgäste hatte als Einwohner. Schulen und Kultureinrichtungen aus den nahen Städten gründeten Partnerschaften, Frankfurt wurde Partnerstadt von Gorzow (Landsberg an der Warthe). Die Krise der polnischen Wirtschaft seit 1976 verminderte die Zahl der in die DDR reisenden Polen. Im Oktober 1980 schloß dann die DDR einseitig die Grenze, lediglich mit einer genehmigten Einladung konnte man noch reisen. Dieser Schritt wurde von vielen DDR-Bürgern wegen der polnischen Konkurrenz um knappe Waren begrüßt. Der eigentliche Grund bestand allein darin, jeden Einfluß der Solidarnosc-Bewegung auf die DDR unmöglich zu machen. Dennoch blieben gewisse Kontakte erhalten, die Eiszeit der 50er wiederholte sich nicht.

Die Wende von 1989/90 revolutionierte auch die Verhältnisse an der Oder. Frankfurt und Slubice wurden Partnerstädte, die in Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur etc. eng zusammenarbeiten. Die beiden Städte sind Teil der Euroregion ‚Pro Europa Viadrina‘. Ein Leuchtturm internationaler Kooperation ist die Europauniversität Viadrina, deren Studenten zu einem Drittel aus Polen stammen, und sogar ein deutsch-polnischen Kindergarten wurde ins Leben gerufen. Für Slubice wurde der Grenzhandel wieder extrem wichtig. Es entstanden große Basare, in denen v. a. Deutsche günstig einkaufen.

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