Guben - Gubin

Die neue Grenze an der Neiße entzweite die Textil- und Hutmacherstadt. In den folgenden Jahrzehnten schwankte das Verhältnis der Stadthälften zwischen Eiszeit und enger Kooperation.

Anfang 1945 war Guben über 2 ½ Monate lang Teil der Front. In dieser Zeit verlor die östlich der Neiße gelegene Altstadt 88 % ihrer Bausubstanz, sämtliche Brücken wurden zerstört. (Nach dem Krieg gab es weitere Verluste, denn auch aus Ungewißheit über die Beständigkeit des Grenzverlaufs wurden noch jahrzehntelang gut erhaltene Gebäude abgetragen und die Ziegel für den Wiederaufbau Warschaus abtransportiert.) Am 13. Juni – viele der evakuierten Bewohner der Stadt waren inzwischen zurückgekehrt – untersagten die polnischen Truppen, die Neiße zu passieren. Am 20. Juni wurden dann 13.500 Bewohner Ost-Gubens in kürzester Frist ausgewiesenZitat, denn die polnischen Behörden wollten noch vor der Potsdamer

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Guben-Gubin

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Konferenz einen 30 km breiten Grenzstreifen schaffen, in dem sich kein Deutscher mehr aufhalten sollte, und nur einige Spezialisten blieben zurück. Die Vertriebenen wurden in Guben-West aufgenommen, wo von da an drangvolle Enge herrschte; der Wohnraum pro Person sank von 19,5 auf 5,6 qm. Bis 1949 entwickelte sich das traditionelle Industriegebiet

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Die Oderbrücke zwischen Frankfurt und Slubice
Slubice
Görlitzer Vertrag
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Görlitzer Abkommen

und Arbeiterviertel mit ehemals 6.000 Einwohnern zu einer eigenen Gemeinde mit über 25.000 Menschen. Wilhelm Pieck, Vorsitzender der SED und erster und einziger Staatspräsident der DDR, war ein geborener Gubener. Er kam immer wieder in die Stadt, und seine Reden zogen die Menschen in Scharen an.

Die Wiederbesiedlung des größeren, östlich der Oder gelegenen Stadtteils, in dem vor dem Krieg knapp 40.000 Menschen gelebt hatten, ging nur sehr langsam voran. Die polnischen Siedler kamen aus den verschiedensten Gegenden, die größte Gruppe bildeten Vertriebene aus dem an die Sowjetunion gefallenen Ostpolen. Dazu kamen Soldaten, die in Gubin stationiert wurden. Ein besonderes Problem war, daß Strom- und Gaswerk sowie der Bahnhof westlich der Oder lagen.
Mit dem Görlitzer Vertrag begann die Propaganda, die Oder-Neiße-Grenze als „Friedens- und Freundschaftsgrenze“ darzustellen, die zwei ‚Brüdervölker‘ verbinde. Tatsächlich war die Grenze eine militärische Grenze, die für die Menschen zu beiden Seiten des Flusses undurchdringlich war. Erst 1956 wurde sie etwas durchlässiger. Bezirke und Wojewodschaften bzw. SED und PVAP traten in Kontakt und organisierten Treffen und Kundgebungen für die

Deutschen und Polen in der Grenzregion. Es entstanden Handelsabkommen, und die kommunale Versorgung zwischen Guben und Gubin wurde gemeinsam bewerkstelligt. 1966 wurde auf Bezirksebene ein Vertrag abgeschlossen, der die Einstellung polnischer Pendlerinnen im Gubener Chemiefaserwerk regelte. Zu Neujahr 1972 erfolgte dann völlig unerwartet die Öffnung der Grenze für den visafreien Verkehr. Im ersten Jahr der Grenzöffnung genossen 200.000 DDR-Bürger die Naturschönheiten und die relativen Freiheiten in Polen, während viele Polen vom reichhaltigen Warenangebot angezogen wurden und so das Klischee vom „Polen, der alles wegkauft“ entstand. (Zitat Strampler) In Gubin wuchs sie Gastronomie, neue Geschäfte entstanden und der aus Warschau angewiesene Etat für die finanziell lange Zeit benachteiligte Stadt verdreifachte sich vorübergehend.

Die Wirtschaftskrise in Polen seit 1976 ließ die Zahl der in die DDR reisenden Polen stark zurückgehen. Im Oktober 1980 schloß dann die DDR einseitig die Grenze wieder, ein Schritt, der von vielen DDR-Bürgern wegen der polnischen Konkurrenz um knappe Waren begrüßt wurde. Die Motivation der DDR-Führung bestand hingegen darin, jeden Einfluß der Solidarnosc-Bewegung auf den eigenen Staat zu verhindern. Immerhin wiederholte sich nicht die völlige Erstarrung der 50er Jahre, die Grenze blieb ein wenig durchlässig.
Die Jahre 1989/90 veränderten auch die Beziehungen zwischen Guben und Gubin grundlegend. Es wurde eine Städtepartnerschaft und eine enge politische sowie kommunalwirtschaftliche Kooperation ins Leben gerufen. Beide Städte gehören außerdem der Euroregion ‚Spree-Neiße-Bober‘ an. Auf der europäischen Gesamtschule lernen Schüler von beiden Seiten des Flusses. Zugleich wurde Guben vom Untergang seiner Industrien schwer getroffen und leidet unter einem anhaltenden Bevölkerungsverlust.

Januar 1945    Mai 1945    17.7.1945    Herbst 1945    1952    1955    1958    18.11.1965    28.9.1969    1969    7.12.1970    1972    16.10.1978    1980    1981    12.11.1989    5.7.2002    13.12.2002    30.1.2003    31.5.2003    6.6.2003    8.6.2003    14.7.2003    13.12.2003    1.5.2004    13.6.2004    18.6.2004    1.8.2004    10.10.2004