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Deutsche & Polen

Das polnische Bild von Friedrich dem Großen – zwei Sichtweisen

Adam Krzeminski
Biografie

Polen war für Preußen, für Friedrich den Großen, nicht mal ein Konkurrent, es war mehr eine Verfügungsmasse. Ein Staatswesen, das eben seine Erweiterung verhinderte, eine gute Gelegenheit war, Preußen zu erweitern, im Osten zu vergrößern. Er hat eine geniale Kampagne in Europa geführt, die Polen bis heute geschadet hat. Es gibt viele antipolnische Klischees, im deutschen historischen Bewusstsein, die auf diese Zeit zurückzuführen sind, inklusive „polnischer Wirtschaft“. Das ist nicht seine Erfindung, aber seine Propaganda, seine arrogante Geringschätzung bis hin zu dem Spruch, die Polen seien die Irokesen Europas, d. h. er hat sie auf das Niveau der Wilden, Barbaren, die zu kolonisieren sind verdammt. Genauso wie Indianer oder Schwarze in Afrika.

Und das hat sich fest gesetzt im deutschen Bewusstsein. Die Polen wiederum sehen nur seine Taktik, Fälschung des Polnischen Geldes, Verhinderung der polnischen Reformen, ... Zusammen in einer faktisch Allianz, mit Russland. Aber eigentlich war das eine antipolnische Verschwörung mit der Zarin. Das Land wurde politisch gelähmt von Russland und von Preußen. Und dann als anarchisch verhöhnt, unfähig, prämodern und, und, und. Und man muss offen sagen, dass das bis heute das Bild Polens in Deutschland, aber nicht nur in Deutschland, zum Teil auch in Schweden nachhaltig belastet. Auf der anderen Seite entdecken wir erst heute moderne, positive Seiten in der friederizianischen Art Innenpolitik zu betreiben. Ein modernes Staatswesen zu schaffen. Und es gibt auch - vielleicht aus dem Minderwertigkeitskomplex - so etwas, wie eine Bewunderung für den großen Fritz. Gerade auf der Seite der polnischen Nationalisten: „So einen hätten wir auch gebraucht in der polnischen Geschichte, wenn wir so einen hätten, dann hätten wir unsere Katastrophe der Teilungen nicht erlebt.“

Also keine Romantik, keine hochfliegenden Emotionen, sondern kalte zynische Überlegungen, weil man im Wettlauf mit nationalen Egoismen nur auf die Macht setzen kann. Das ist sozusagen die Lehre, die viele polnische Nationalisten aus der preußischen Geschichte gezogen haben. Aus der Geschichte, so wie sie sie wahrnehmen, nicht so wie sie tatsächlich im Detail war.

Quelle:
Stubenrauch, Jens , Hohmann, Lew
"Interview mit Andrzej Krzeminski"
ORB

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