Plötzlich kam polnisches Militär nach Guben, etwa am 20. Juni 1945. Als Kinder hatten wir eigentlich guten Kontakt mit diesen Menschen. Wir bekamen manches Stück Brot und manche Handvoll Zucker. Ich meine, selbst in dieser vergifteten Atmosphäre war das für uns Kinder wohltuend. Um so enttäuschter waren wir dann, als am 20. – es war ein sehr heißer Tag – früh um halb neun einer mit einer Glocke durch die Straßen ging und uns aufforderte, innerhalb von zehn Minuten unsere Habseligkeiten zusammenzupacken, uns dann an der Straße aufzustellen und Guben zu verlassen. Wir haben für diese Strecke – eine Entfernung von etwa 1000 Metern von unserem damaligen Haus bis zur Neiße – fünfeinhalb Stunden gebraucht. Es war schon fürchterlich, was sich da abspielte. Nicht so sehr, daß wir Schikanen erlebt hätten, sondern vielmehr dieses Wegtreiben erleben zu müssen. Natürlich hatten wir von den Erwachsenen mitgekriegt, daß Deutsche in diesem Krieg auch so etwas getan hatten – und so war uns überhaupt nicht wohl bei diesem Gang. Dann wurden wir gefilzt. Wir hatten Glück. Ein blutjunger Soldat ließ die Handtasche auf den Tisch Kippen. Meine Mutter war froh, als er fragte, ob er die Taschenlampe behalten dürfe, was sie bejahte. Und er ließ uns ziehen. So haben wir nichts Böses erlebt.