Mit russischer Unterstützung bildet sich gegen die Mai-Konstitution die Konföderation von Targowice. Die Mai-Verfassung wird aufgehoben, die russische Vorherrschaft wiederhergestellt.
Wieder ist es ein Bild Matejkos, das einen der stolzesten Augenblick in Polens Geschichte festhält. Es ist der 3.Mai 1791 im 3. Jahr des „vierjährigen Sejm“. Eine jubelnde Menge feiert vor dem Warschauer Schloss die erste moderne Verfassung Polens. Ihr Verfechter
Marschall Stanislaw Malachowski wird auf Händen getragen. Der König, diesmal einer der Initiatoren, erwartet den Triumphzug. Im Hintergrund sieht man in Uniform den Neffen des Königs, Josef Poniatowski, der ein Jahr später vor der Übermacht Russlands kapitulieren muss und weder Polen noch die
Verfassung retten kann. Ermuntert durch ein antirussisches Bündnis mit Preußen, in dem Souveränität, Akzeptanz der Verfassung, Galizien und ein vergrößertes eigenes Heer versprochen wird, verabschiedet Polen an diesem Frühlingstag des Jahres 1791 die erste geschriebene Verfassung Europas und die zweitmodernste nach den Vereinigten Staaten.
Sie beinhaltet den Begriff der Volkssouveränität Rousseaus und behält das Wahlkönigtum bei. Vorgesehen dafür ist das sächsische Haus der Wettiner, das schon die Könige August II. und August III. stellte. Aus einem Rat von 18 Senatoren und 18 Landboten werden Kommissionen für Äußeres, Inneres, Heerwesen, Rechtswesen und Finanzen ernannt. Hinzu kommen
eine Erziehungskommission und das erste Kulturministerium Europas. Die Regierung bildet ein Kabinett, das dem Sejm Rechenschaft schuldig ist. Gedankengut der französischen Staatsphilosophie, vor allem Montesquieus Gewaltenteilung, finden Eingang in diese Verfassung. Das russische Reich fühlt sich provoziert. Auf seine Initiative sammeln sich die polnischen Gegner der Reformpolitik in einer Konföderation, die im Mai 1792 in Targowice offiziell konstituiert wird. Katharina II. schickt 100 000 Mann nach Polen. Das 30 000 Mann starke polnische Heer unter dem Kommando von Jozef Poniatowski, dem Neffen des Königs, kann kaum Widerstand leisten.
Im Juli 1792 schließt sich der polnische König der Konföderation von Targowice an, de facto eine Kapitulation, wenn nicht gar zum zweiten Mal ein Verrat. Verhandlungen zwischen Preußen und Russland führen am 23. 1. 1793 zum zweiten Teilungsvertrag. Katharina II. erhält alle ostpolnischen
Gebiete, Preußen bekommt Großpolen, Masowien und die Städte Danzig, Thorn und Gaudenz. Am 23. September 1793 muss sich, wie zwanzig Jahre zuvor, ein "stummer Sejm" der Übermacht der Nachbarn beugen und die Teilung anerkennen. Die Verfassung wird aufgehoben und das Heer aufgelöst.
König Friedrich Wilhelm II. reist durch Polen und besichtigt seine neuen Besitzungen in Südpreußen. Als er am 9.11.1793 nach Berlin zurückkehrt empfangen ihn die Preußen mit dem Lied „Heil Dir im Siegerkranz“.
| 19.2.1772 | 24.7.1792 | 1795 | 1800 | 19.10.1813 | 1815 | 1820 | 1830 | 2.8.1847 | 1848 | 8.2.1863 | 1864 | 1880 | 3.11.1894 | 1901 | 1904 | 26.8.1914 |