Um Österreich vor die Wahl zu stellen, sich entweder einem russisch-preußischen Teilungsplan anzuschließen oder sich der Gegnerschaft der beiden Großmächte gegenüberzusehen, schließen Preußen und Rußland am 19. Februar einen separaten Teilungsvertrag ab.
Das Bild entsteht 1866, drei Jahre nach einem gescheiterten Aufstand der Polen. Das Bild heißt „Rejtan“ nach dem Abgeordneten Tadeusz Rejtan aus Nowogrodek. Am 19. April 1773 versucht er, ohne Erfolg, durch ein Veto die erste Teilung Polens zu vereiteln. Doch er scheiterte aufgrund
der gespaltenen Versammlung und des großen Einflusses durch den russischen Gesandten Repnin. – Rejtan, einer der vielen tragischen Helden Polens. Jan Matejko setzt ihm mit dem Monumentalgemälde ein Denkmal. Das Bild erweist sich als unverkäuflich, denn
Polen ist noch immer geteilt. Schließlich, Ironie der Geschichte, kauft es der österreichische Kaiser Franz Joseph zum stolzen Preis von 43.000 Gulden. Vielleicht aus schlechtem Gewissen, denn sein Ururgroßvater Joseph II. war an der Tragödie beteiligt. Der eigentliche Drahtzieher allerdings war der preußische König Friedrich II. Neu war die Idee nicht. Durch das polnische Königlich-Preußen, später heißt es Westpreußen, ist das Königreich Preußen (später Ostpreußen), das zu Brandenburg/Preußen gehört, vom Mutterland getrennt. Schon 1710 hatte ein Sachse, August der Starke, damals König von Polen, die Idee, dieses Stück Polens den Preußen zu überlassen. Er verlangte dafür militärische Unterstützung bei seinem Versuch, aus Polen einen absolutistischen Staat zu machen. Und auch der „schiefe Fritz“, der erste preußische König, der sich im ostpreußischen Königsberg 1701 krönen lässt, hatte immer die Absicht, die Landbrücke zwischen dem
Kernland und Ostpreußen herzustellen. Aber er stirbt darüber und sein Sohn, der Soldatenkönig liebt keine Kriege. Anders dessen Sohn, Friedrich der Große. In drei blutigen Kriegen erobert er Schlesien, das den Österreichern gehört. Aber Friedrichs Visionen reichen über Schlesien hinaus.
Am 5.Oktober 1763 stirbt August III., König von
Polen und Kurfürst von Sachsen. Ein Jahr später erscheint eine polnische Delegation bei Friedrich II. und bittet um seine Zustimmung für die Kandidatur Prinz Heinrichs für die polnische Thronfolge. Der Alte Fritz ist strikt dagegen. Er will keinen Ärger mit Russland und er will auch kein starkes Polen unter der Krone seines ehrgeizigen Bruders. Er will ein Stück von Polen. Die Wahl des Günstlings der Zarin Stanislaus II. August Poniatowski zum König von Polen mit preußischer Unterstützung ist dazu ein erster Schritt.
Im Jahr 1771 bereitet Prinz Heinrich, der Bruder des Alten Fritz, in St.Petersburg gemeinsam mit der Zarin die erste polnische Teilung vor. Eine Eroberung am Schreibtisch. Ein in der europäischen Geschichte bis dahin einmaliger Akt. Drei mächtige Staaten, Russland, Österreich und Preußen befriedigen ihre gegenseitigen aus Kriegen entstandenen Forderungen nach Gebiets- und Machtausgleich, indem sie ein Drittel eines souveränen
Nachbarstaates unter sich aufteilen.
Polen, dass sich nicht wehren kann, wird gezwungen dem Teilungsvertrag der drei Supermächte zuzustimmen. Die Landboten (Abgeordneten) bleiben zunächst dem Sejm fern. Doch die großmächtigen Diebe machen Druck. Jede Macht lässt 10.000 Soldaten einmarschieren, eine gemeinsame Bestechungskasse wird
gegründet und drei Generäle werden nach Warschau geschickt, die notwendigen Ränke zu schmieden. Am 30. September 1772 billigt ein "stummer Sejm" die Teilung. Einen letzten verzweifelten Versuch, diese Entscheidung rückgängig zu machen, schildert das Bild „Rejtan“. Der russlandhörige König Poniatowski verweist den Verzweifelten des Raumes, draußen warten die Wachen auf den Patrioten. Der Neffe des Königs, Jozef Poniatowski, blickt bedrückt zu Boden. Fast zwanzig Jahre später wird er als Führer im Kampf gegen Russland scheitern und schließlich 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig umkommen. Ein weiterer tragischer Held. Viele Magnaten schauen beiseite. Der Teilungsvertrag trägt ihre Siegel und die Unterschrift des polnischen Königs Poniatowski. Neben den Unterschriften der polnischen Würdenträger auf dem Vertrag, der bis heute im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem aufbewahrt wird, sieht man Tränenspuren. Dokument einer nationalen Tragödie.
| 19.2.1772 | 24.7.1792 | 1795 | 1800 | 19.10.1813 | 1815 | 1820 | 1830 | 2.8.1847 | 1848 | 8.2.1863 | 1864 | 1880 | 3.11.1894 | 1901 | 1904 | 26.8.1914 |