In der Schlacht bei Tannenberg wird die russische Armee von den deutschen Truppen unter Führung Paul von Hindenburgs und Erich Ludendorffs vernichtend geschlagen. Damit wird fraglich, ob Rußland zum Garanten polnischer Nationalstaatlichkeit taugt.
Das Foto zeigt die polnische Migrantenfamilie Wilk aus Bochum im Jahr 1914. In der Mitte der Rekrut der deutschen kaiserlichen Armee Wojciech Wilk, neben ihm seine Mutter, daneben seine junge Frau, rechts der Bruder des Soldaten. Als Wojciech Wilk 1916 in Frankreich fällt heiratet der Bruder die Witwe. Ein polnisches Soldatenschicksal im I.Weltkrieg, eines der wenigen von dem man heute noch weiß. Als im August 1914 Wilhelm II. den Beginn des 1.Weltkrieg verkündet,
bedeutet das auch die Mobilmachung von fast 2,5 Millionen Polen. Als russische, österreichische und deutsche Soldaten werden sie gegeneinander kämpfen und sterben. 400.000 Gefallene hat die polnische Nation in diesem Krieg zu beklagen. Für Polen bedeutet dieser Krieg neue Hoffnung.
Die erste militärische Aktion dieses Krieges vollzieht eine polnische Kompanie. Am 6.8.1914 überschreitet ein galizischer Verband von 140 Schützen unter dem Befehl des Generals Pilsudski die österreichisch-russische Grenze und marschiert in das russische Kongress-Polen ein. Polen beginnt einen Krieg gegen Russland. Ein symbolischer, aber wichtiger Akt. Polen will nicht befreit werden, sondern befreit sich selbst. Es entsteht das Lied: „Wir die erste Brigade...“. Die Mittelmächte sind interessiert an der Aufstellung polnischer Verbände. „Ohne polnische Regierung, keine polnische Armee,“ lautet die Antwort der Polen. Als die polnischen Korps in
deutsche Uniformen gesteckt werden sollen, weigern sich Soldaten und Offiziere einen Eid auf den deutschen Kaiser zu leisten. Pilsudski wird verhaftet und auf die Festung Magdeburg gebracht. Schon lange hat ein Pokern aller drei Nationen im Osten um die Gunst des polnischen Nachbarn begonnen. Bereits zwei Wochen nach Kriegsausbruch, am 14. August,
verkündet Großfürst Nikolaj als Oberbefehlshaber der russischen Armee Polens Wiedergeburt „frei in seinem Glauben, seiner Sprache und Selbstverwaltung“. Die verbündete deutsche und österreichische Militärführung verspricht bereits wenige Tage zuvor die „Befreiung vom moskowitischen Joch“, ferner „Unabhängigkeit, Glaubensfreiheit und Achtung vor der Religion, die von den Russen so grausam unterdrückt worden ist“. Beide Seiten bleiben konkrete Vorschläge jedoch schuldig. Die neuen Grenzen sollten jeweils auf Kosten des Gegners gezogen werden. Aber der Wettlauf mit der Zeit ist längst verloren. Die russische Revolution beendet den Krieg im Osten, polnische Truppen vereinen sich an der Ostfront. Am 9.11.1918 wird im besiegten Deutschland die Republik ausgerufen. Bereits am 8. November wird Pilsudski aus der Magdeburger Haft entlassen und unter der Begleitung des Diplomaten Harry Graf Kessler nach Warschau gebracht. Zwei Tage später
übernimmt Pilsudski den Oberbefehl über die polnische Armee. Der 11. November wird bis heute als der Tag der Unabhängigkeit Polens gefeiert.
Eine der ersten großen Schlachten des mörderischen Krieges endet mit einem deutschen Sieg über die russische Armee. Obwohl die Kämpfe vorwiegend bei Hohenstein stattfinden, wählt
Erich Ludendorff vom Generalstab des kaiserlichen Generals Hindenburg den geschichtsträchtigen Namen „Tannenberg“ als Bezeichnung für das weiträumige Schlachtfeld. Dem polnischen Mythos von Grunwald wird nun der deutsche Mythos von Tannenberg entgegengesetzt. 1927 errichten die Deutschen dort unweit der Grenze zu Polen ein Denkmal. Am 7.8.1934 wird hier, eingerahmt von einer monumentalen militärischen Inszenierung, Paul von Hindenburg, der Sieger von Tannenberg beigesetzt. Die Rede hält Adolf Hitler. Unter seiner Führung werden wenige Jahre später im Geist des Mythos von Tannenberg Deutsche Verbrechen begehen, die mit nichts vergleichbar sind, was Deutsche Polen bis dahin angetan haben.
| 19.2.1772 | 24.7.1792 | 1795 | 1800 | 19.10.1813 | 1815 | 1820 | 1830 | 2.8.1847 | 1848 | 8.2.1863 | 1864 | 1880 | 3.11.1894 | 1901 | 1904 | 26.8.1914 |