2.8.1847
Polenprozess in Berlin

Vor dem preußischen Kammergericht wird der erste öffentliche politische Prozess der preußischen Geschichte gegen polnische "Verschwörer" eröffnet. Den Polen wird vorgeworfen einen Aufstand geplant zu haben, der die Wiederherstellung des polnischen Staates in den Grenzen von 1772 zum Ziel gehabt habe. Acht Todesurteile und 97 Haftstrafen werden verhängt.

Der Zeichner der „Leipziger Illustrierten Zeitung“ hat alles festgehalten. Den Beginn und das grandiose Ende des Polenprozesses. Er beginnt am 2.August 1847 in Berlin und ist der erste öffentliche politische Prozess der preußischen Geschichte. Links vom Gericht sitzen 254 Polen auf der Anklagebank, auf der Anklagetribüne. Das königliche Kammergericht ist wegen der vielen Angeklagten in die extra für diesen Zweck umgestaltete Gefängniskirche des neuen Zellengefängnisses in Moabit

Polen Prozess 1847
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Der Polen-Prozess in Berlin

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umgezogen. Den vor allem aus dem Kleinadel und dem Bürgertum stammenden Polen wird vorgeworfen, im Preußischen Posen einen Aufstand geplant zu haben, der die Wiederherstellung des polnischen Staates in den Grenzen von 1772, also vor der 1.Teilung zum Ziel hatte. Obwohl der Aufstand nicht zum Ausbruch kam, klagt der Staatsanwalt nach viermonatiger Verhandlungsdauer auf Hochverrat. Acht Todesurteile, darunter gegen Ludwik Mieroslawski, und 97 Haftstrafen werden verhängt. Karol Libelt soll für 20 Jahre hinter Gitter. Zitat Den angeklagten Polen schlägt aus der Bevölkerung eine Welle der Sympathie entgegen. Der Kampf um einen unabhängigen polnischen Staat deckt sich mit dem Streben deutscher Demokraten nach einem einheitlichen und demokratischen Deutschland. Die mit Spannung erwartete Rede Ludwik Mieroslawskis am 3.August 1847 vor Gericht ist zweifellos der Höhepunkt des Prozesses. Zitat Der 33jährige General und Publizist, Mieroslawski

Ludwik Mieroslawski
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Ludwik Mierowslawski

wird durch seine Rede, die er mit viel Pathos hält, sehr populär. Die Zeitung "Der Leuchtturm" vergleicht ihn mit Mirabeau. Bismarck findet, dass er gut ausgesehen habe. Überliefert ist auch, dass Berlins vornehme Damenwelt ihn enthusiastisch verehrt. Am 20. März 1848, nachdem die revolutionäre Welle

Berlin erreicht hat, versammelt sich am Morgen des 20. März eine Menschenmenge vor dem Schloss und fordert die Freilassung der Polen. Friedrich Wilhelm IV. gibt nach. Im Triumphzug werden die befreiten Polen vom Moabiter Gefängnis durch die Straßen geführt, allen voran Ludwik Mieroslawski und Karol Libelt. Überall hörte man die Rufe "Es lebe Polen", "Es lebe die Freiheit", "Es lebe Deutschland". Als sich die Demonstranten dem Schloss nähern, verneigt sich Friedrich Wilhelm IV. vor den Polen auf dem Balkon. Einige Male müssen Mieroslawski und Libelt Ansprachen halten. Polnische Zeitungen schreiben: „Der bekränzte Mieroslawski und Libelt wurden von den Berlinern in die Kutsche getragen..., es wurden eine polnische und eine deutsche Fahne gebracht, es wurden Hochrufe erhoben: „Es leben die Polen! ... seid den Deutschen Brüder, so wie von nun an die Deutschen Eure Brüder werden. ...Wenn die russischen Truppen heute die Grenzen überschreiten,

Polen Begeisterung 1820
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Finis Poloniae

so werden sich alle Deutschen erheben und um ihre eigene und unsere Freiheit kämpfen.“ Am gleichen Tag gehen in Posen die Menschenmassen auf die Straße. Deutsche verbrüdern sich mit Polen, tragen neben der schwarz-rot-goldenen die rot-weiße Fahne am Revers. „Polnisch-deutsche Brüder, ein Losungswort in diesem Bewusstsein: Ruhe

und Ordnung im Namen der Freiheit, ein Zeichen: die polnischen und deutschen Farben!“ endet eine Posener Aufruf in diesen Tagen. Und in einer Dankadresse an das Berliner Volk taucht er wieder auf, der Gedanke vom „Pufferstaat Polen“: „Ihr fühlt es, dass nicht nur die Zeit gekommen ist, in welcher die verhängnisvolle That der Theilung Polens wieder gesühnt werden musste, sondern die Zeit auch gebiete, dass zur Sicherstellung Polens als Vormauer gegen den Drang der Asiaten Polen wieder errichtet werden muss.“

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