Die vom neuen Zar Nikolaus I. eingeführten Beschränkungen der konstitutionellen Rechte und Freiheiten führen zum "Novemberaufstand" in Kongresspolen. Der Zar wird vom Sejm als polnischer König für abgesetzt erklärt und eine provisorische Regierung eingerichtet.
"Finis Poloniae 1831" heißt das Bild des deutschen Malers Dietrich Monten. Das Gemälde, das in der Alten Nationalgalerie in Berlin hängt, entsteht 1832 unter dem Eindruck des gescheiterten Novemberaufstandes in Warschau und der Flüchtlinge, die nach Deutschland strömen.
Das Bild zeigt eine Gruppe verzweifelter polnischer Soldaten im Moment des Abschieds von ihrer Heimat, am preußischen Grenzstein verharrend. Der Reiter auf dem Schimmel trägt die Züge Jozef Poniatowskis, der 1813 bei Leipzig gefallen ist. Das Pathos des Bildes
ist Ausdruck der deutschen liberalen Solidarität und Begeisterung für die gescheiterten polnischen Patrioten. Die Vorgeschichte: Im Jahr November 1830 wehren sich die Polen erneut gegen die russische Knechtschaft. Kadetten stürmen das Arsenal in Warschau, der Sejm setzt Zar Nikolaus als polnischen König ab, die russische Armee marschiert ein.
Abermals werden die Polen geschlagen. Trotz russischer Forderung auf Auslieferung wurden die 27 000 auf preußisches Gebiet übergelaufenen polnischen Soldaten lediglich entwaffnet. Auch die rund 2500 preußischen Untertanen, die am Aufstand gegen Russland teilgenommen hatten, bleiben straffrei. Ein Strom von Flüchtlingen ergießt sich über Deutschland.
Durch Sachsen, Hessen, Bayern, die Pfalz und Württemberg ziehen sie nach Frankreich und in die Schweiz. Die tapferen polnischen Kämpfer lösen in Sachsen und Süddeutschland aber auch im liberalen Berlin eine Welle der Begeisterung, der Solidarität und der Hilfe aus. Es scheint derselbe Kampf für Freiheit und Demokratie gegen den selben Feind zu sein, der polnische Patrioten und deutsche Liberale verbindet. Deutsche unerfüllte Revolutionsträume aber auch nationalistische Großpreußenvisionen äußern sich in schwärmerischer Begeisterung für die polnischen Helden. Eine romantisch gefärbte Polenliebe setzt ein. „Polenlieder“ entstehen, Hilfskomitees sammeln Geld, geben Kost und Logis, ein Taumel der Solidarität ist Ersatz für nicht stattfindendes deutsches Aufbegehren gegen die Reaktion. Es ist Mode propolnisch zu denken und zu dichten. Hilfslieferungen werden mit Gelegenheitsdichtung versehen.
Auf dem Hambacher Fest der deutschen
Demokraten von 1832 wird die Gruppe um Tadeusz KrEpowiecki begeistert begrüßt, und Ludwig Uhland schreibt ein Gedicht mit dem Titel: "Mickiewicz". Dieser revanchiert sich mit der Widmung zu seinen "Büchern der polnischen Nation und der polnischen Pilgerschaft", in denen er dem Leiden des polnischen Volkes eine religiöse
Dimension verleiht und die ihn zum geistigen Führer seiner Nation werden lassen: "Diese Bücher des Polnischen Volkes unter den Augen des Verfassers getreu ins Deutsche übertragen widmet derselbe dem Deutschen Volke als Zeichen seiner aufrichtigsten Achtung und Dankbarkeit für die brüderliche Aufnahme, die ihm und seinen Unglücklichen Landsleuten bei demselben auf ihrer Pilgerschaft geworden." Wohlauf du kleines Polen, noch ist Polen nicht verloren, Dank dem deutschen Volke... Es wird bald vorbei sein mit Polenbegeisterung und Verbrüderung. Nach der unvollendeten 48-er Revolution wird der europäische Gedanke Freiheit und Gleichheit für alle, hinter den Gedanken zurücktreten: gut ist was für Deutschland gut ist, und ein eigener polnischer Weg ist nicht gut für Deutschland.
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