Am 3. November wird in Posen der nationale "Verein zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken" gegründet (ab 1904 "Deutscher Ostmarkenverein", auch "Hakatistenverein"). Der Verein fordert exterritoriale staatliche "Lösungen" in Form von aggressiver Siedlungsförderung im polnischen Osten und wird von Prominenten wie Altkanzler Bismarck und dem Industriellen Alfred Krupp unterstützt.
Eine Propagandaschrift des Deutschen Ostmarkenvereins vom Anfang des 20.Jahrhunderts. Auf dem Titel ein trutziger Kreuzritter, im Hintergrund die Marienburg, unten der Spruch: "Kein Fussbreit deutscher Erde soll verloren gehen. Und ebenso soll kein Titel Deutschen Rechts geopfert werden. Das ist unsere Politik. (Fürst Bismarck)"
Der „Deutsche Ostmarken Verein“ (DOV) gründet sich am 3.11.1894 in Posen. An seiner Wiege steht kein geringerer als Altkanzler Bismarck. Die Vereinsgründer stimmen mit ihm überein, dass die Germanisierungspolitik der Regierung zu lasch, zu inkonsequent, zu tolerant ist. „Ziel des Vereins ist Kräftigung und Sammlung des Deutschtums in den Ostmarken
durch Hebung und Befestigung deutschnationalen Empfindens und wirtschaftliche Stärkung des deutschen Volkes...“ heißt es in den Statuten und über die Methoden erfährt man: „1. Beobachtung der polnischen Presse; 2. Heranziehung Deutscher für den Erwerb ländlicher und städtischer Liegenschaften; 3.Kräftigung des deutschen Mittelstandes durch Sicherstellung der Kundschaft und Kreditgewährung; 4.Deutsche Tage zur Besprechung nationaler Angelegenheiten; 5. Förderung des deutschen
Schulunterrichts“. Im Gutshaus von Seeheim-Jezioro in der Provinz Posen feiert Silvester 1900 der „Deutsche Ostmarken Verein“ so einen „Deutschen Tag“ nach Punkt 4. Das wichtigste Ereignis einer solchen Veranstaltung sind die Huldigungstelegramme, patriotische Depeschen, die „an den Großmächtigen Schirmherrn des Deutschthums“, den Kaiser, gekabelt werden. Damit der Höhepunkt wirklich gelingt bereitet Tiedemann das Echo beim Chef des Zivilkabinetts entsprechend vor.
Seine Majestät der Kaiser telegrafiert retour und dankt dem Verein für seine Bestrebungen zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken. Die Gründer des Vereins, der bald 11.000 Mitglieder hat - über 4000 davon sind preußische Beamte - sind die Hardliner der deutschen Ostpolitik. Ganz im Geiste Bismarcks sehen sie sich als Bollwerk gegen das Polentum. Die führenden Köpfe des DVO sind Hansemann, Rittergutsbesitzer, Kennemann-Klenka, Landesökonomierat und TE wie Tiedemann, Heinrich von, Rittergutsbesitzer von Seeheim und Major a.D.,
Großgrundbesitzer seit der Zeit der Kreuzritter in Westpreußen. Hansemann und Tiedemann sind familiär mit dem Großkapital verflochten. Aus ihren Anfangsbuchstaben HA-KA-TE wird das Wort Hakatist, Synonym für Polenfeind. Wesentlich von den Hakatisten befördert ist das 1908 verabschiedete neue Ansiedlungsgesetz, dass
dem Staat erlaubt, Land zu konfiszieren. Ähnlich wie seine Vorgänger macht das Gesetz viel Schaden und wenig Sinn. Preußische Beamte werden beauftragt, mögliche Beschlagnahmen zu recherchieren. Heraus kommen Listen, die die absonderlichsten Gründe aufführen, die einer Konfiszierung entgegenstehen. Erst 1912 kommt es zu vier Konfiszierungen. Auch die Hakatisten können wenig an dem Scheitern der Germanisierungspolitik ändern. Aber sie haben einen Begriff geliefert. „Hakatist“ oder „HKT=Hakata“
gilt von nun an als Schimpfwort, gemünzt auf jeden Polenfeind. Jeder Pole kennt das Ungeziefer namens Hakata, heißt es. Die Hakatisten beschwören die Kreuzritterahnen wieder herauf und wollen damit das Deutschtum im Osten mobilisieren. Doch wie ihr großes Vorbild erzielen sie damit oft nur einen Bumerangeffekt.
| 19.2.1772 | 24.7.1792 | 1795 | 1800 | 19.10.1813 | 1815 | 1820 | 1830 | 2.8.1847 | 1848 | 8.2.1863 | 1864 | 1880 | 3.11.1894 | 1901 | 1904 | 26.8.1914 |