Der Versuch des Bauern Michal Drzymala, mit Hilfe eines Zirkuswagens das preußische Ansiedlungsgesetz auszuhebeln, wird in Polen zur Legende.
Ein Bäuerlein, Michal Drzymala, (1857-1937), schafft es mit einer Eulenspiegelei die preußischen Germanisierungsanstrengungen der Lächerlichkeit preiszugeben und den Status eines Volkshelden zu erwerben. Drzymala kauft im Herbst 1904 von einem Deutschen eine 15 Morgen große Ackerparzelle in der Nähe von Pogradowitz im Kreis Wollstein/Bomst. Da er laut Ansiedlungsgesetz als Pole auf seinem Land weder ein Haus bauen, noch in der Scheune, die er mit seiner Familie bewohnt eine Feuerstätte errichten darf, borgt er sich von seinem
deutschen Nachbarn Geld und kauft sich 1905 für 350 Mark einen „Zirkuswagen“.
Diesen stellt er auf sein neuerworbenes Land und wohnt darin. Die preußischen Behörden sind ratlos. Einziger Angriffspunkt, die Behausung muss wirklich mobil sein. Also verschiebt Drzymala seinen Wohnwagen jeden Tag um einige Zentimeter.
Der Fall wird populär, Bilder vom „Zigeunerwagen“ gehen um die halbe Welt, eine Blamage für die preußische Germanisierungspolitik.
Pilgerfahrten zum „Polnischen Eulenspiegel“ setzen ein. Die „Straz“, die polnische Konterorganisation zum „Ostmarkenverein“ sammelt Geld und dem Bäuerlein wird ein komfortableres Gefährt spendiert. Der neue größere Wagen kostet
immerhin 2000 Mark. Den alten Wagen liefert der Bauer in Posen ab und erhält dafür noch 114 Mark. Der neue Wagen hat nur einen Nachteil. Es ist 4 cm höher als das preußische Gesetz es erlaubt und die Behörden untersagen Drzymala im Wagen eine Feuerstelle zu betreiben. Es kommt zum Prozess. Wieder unterstützt die Straz den patriotischen Bauern. Er wird von Rechtsanwalt Wolinski, Leiter der Rechtssektion des Vereins, verteidigt. Die Polen unterliegen am 28.Mai 1909 vor dem Berliner Verwaltungsgericht. Schlussendlich kann der Bauer seinen Verbleib auf der Parzelle nicht durchsetzen. Sein Wagen aber wird 1911 anlässlich der 500-Jahrfeier der Schlacht bei Grunwald „als Zeugnis der preußischen Kultur des 20.Jahrhunderts“ ausgestellt. Ein Jahr später kann man Theaterszenen mit dem Titel „Der Wagen des Drzymala“ sehen, die vom Ostmarkenverein als „deutschfeindlich“ bezeichnet werden. Nachdem der Wagen 1929 noch mal in Posen Ausstellungsobjekt war, wird er danach in den Depots des polnischen
Nationalmuseums in Krakau aufbewahrt, wo ihn die Nazis finden und 1939 zerstören. Eine Nachbau des Wagens steht heute in der Nähe von Posen und gilt als kleines Nationalheiligtum. Das Grundstück Drzymalas wurde vor einigen Jahren an eine holländische Firma verkauft. Erst ein Jahr später wurde der Verkauf von der nationalistischen Tageszeitung "Nasz Dziennik" kritisch kommentiert.
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