Auf der Potsdamer Konferenz wird die "Überführung" der im Osten wohnenden Deutschen beschlossen. Bei den Vertreibungen werden bis 1947 etwa 3 Millionen Deutsche aus den Oder-Neiße-Gebieten, insgesamt etwa 6,9 Millionen "transferiert".
Schon mit dem gemeinsamen Vorrücken von Roter Armee und den in ihren Reihen kämpfenden polnischen Einheiten kommt
es zu sogenannten „wilden Vertreibungen“ der deutschen Bevölkerung. Noch vor einer Verhandlung der Siegermächte wollen die neuen Machthaber Tatsachen schaffen. Hunderttausende sind zwar bereits vor der Front geflüchtet, aber zu Beginn des Jahres 1945 leben immer noch über 5 Millionen Deutsche jenseits von Oder und Neiße. Die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz vom Sommer 1945 fordern von der polnischen
Regierung „vorerst weiter Abschiebungen aufzuschieben“. Die Nachrichten vom hohen Blutzoll der chaotischen Vertreibungsaktionen mit ihren Auswüchsen an Terror und Greuel sind bis nach London und Amerika vorgedrungen. Zwar einigt man sich in Potsdam grundsätzlich auf einen „Bevölkerungsaustausch“ als Mittel der politischen Konfliktlösung, doch soll es dabei nach dem Willen der Siegermächte
„ordnungsgemäß und human“ zugehen.
Dafür fehlt es jedoch an sämtlichen Voraussetzungen. Sowohl materiell als auch ideell. Das kriegszerstörte Polen ist nicht in der Lage, die Mittel für diese größte Völkerwanderung der Menschheitsgeschichte bereitzustellen. Nach den Schrecken der nationalsozialistischen Besatzungszeit ist es auch nicht zu erwarten, dass Rachegefühle auf Seiten der polnischen
Behörden und der polnischen Bevölkerung ausbleiben werden. Fünf Jahre gehörte das massenhafte Sterben zum Alltag in Polen. Mit der Befreiung der Konzentrationslager wird das ganze Ausmaß der deutschen Mordfabriken auch für alle Polen sichtbar. Nie in Europa war der Wert eines menschlichen Lebens so gering wie am Ende des Zweiten Weltkrieges. Am 14. Februar 1946 unterzeichnen die Briten ein Abkommen mit der polnischen Regierung, das eine geordnete Aussiedlung zumindestens auf dem Papier ermöglichen soll. Zehn Tage später verläßt der erste Transport der Aktion „Schwalbe“ („Swallow“) den Bahnhof Kohlfurt (Kalawsk).
Zwar versucht die nun existierende Organisationsbehörde zur „Repatriierung von Deutschen“ das Bild einer großen organisatorischen Anstrengung zu vermitteln, aber ihre Möglichkeiten der Einflußnahme sind begrenzt. Zwar sollen übermäßige Härten und Gesetzesverstöße geahndet werden, aber bei der Größe der Aufgabe geht vieles wieder auf Kosten der deutschen Bevökerung. Diebstähle, Überfälle auf die Transporte und Raubzüge, die Bedrohung des Lebens stehen auf der Tagesordnung. Die Eisenbahnzüge sind
vollkommen überladen, die Versorgung für die oft wochenlang fahrenden Transporte ist unzureichend.
Erfrorene, Verhungerte, auch 1946 gehören sie zum Alltag der Vertreibung. Ein großes Problem stellt auch die Aufnahme der Vertriebenen in den deutschen Besatzungszonen dar. 8000 Menschen täglich muß allein die britische Besatzungszone aufnehmen. Die Russen
protestieren bei den polnischen Behörden gegen die Überfüllung der Sammelpunkte, den Mangel an Verpflegung und Hygiene und gegen die laufenden Überfälle auf die Transporte. Nach wie vor behandelten polnische regionale Behörden die Deutschen wie
vollkommen rechtloses Freiwild. Die Aktion „Schwalbe“ endet im November 1947, 2 Millionen Menschen haben die Oder in Richtung Westen überquert. In
den Jahren 1948-50 sinkt die Zahl der Vertriebenen ständig. Mit einem Regierungsabkommen stellt die DDR im Jahr 1950 die Aussiedlungen auf eine neue vertragliche Grundlage. Das polnische Reisebüro „ORBIS“ übernimmt die Transporte.