Am 16. Oktober wird der Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla als erster Pole in der Geschichte zum Papst Johannes Paul II. gewählt. Die Wahl stärkt die Position der katholischen Kirche in Polen und mit ihr die katholisch-polnische Opposition gegen die sowjetische Bevormundung.
Zwischen kommunistischem Staat und der breiten Bevölkerungsmehrheit herrscht in Polen ein tiefer Abgrund. Entscheidender Bezugspunkt für die Menschen ist die katholische Kirche. Am 16. Oktober 1978 geschieht in Rom Sensationelles. Der Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyla wird zum Papst berufen.
Seine Wahl ist der Beginn einer Epoche, die auch das Verhältnis von Deutschen und Polen entscheidend verändern wird. Johannes Paul II. ist der erste nichtitalienische Papst seit 1523. Während der deutschen Besatzung gehört er zu den Studenten der
Untergrunduniversität in Krakau, im Polen der Nachkriegszeit sammelt er über 30 Jahre Erfahrungen mit dem kommunistischen Regime. Die Wahl des Papstes und seine erste Polenreise im Jahr 1979 hat auf die oppositionelle Stimmung in Polen einen geradezu entscheidenden Einfluss. Die Ratlosigkeit der Parteiführung angesichts der sich zusehends verschlechternden wirtschaftlichen Lage und der damit einher gehenden mangelnden Lebensmittelversorgung
führt im Juli 1980 zu ersten Streiks in Polen.
Wojciech Jaruzelski, der letzte kommunistische Staatschef Polens und Führer der Militärregierung während des Kriegsrechts in Polen, schreibt rückblickend über diese Zeitenwende „Helsinki. Für die Gemeinschaft der Länder des Warschauer Paktes markierte die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa das Ende
Ende langjähriger diplomatischer Bemühungen.. . . Breschnew, einer der größten Sieger dieses noch nie dagewesenen Gipfels, . . . die Breschnew-Doktrin . . . die Unantastbarkeit der Grenzen in Europa, Jalta also, anerkannt. . . . In diesem August 1975 konnten wir also vernünftigerweise annehmen, dass die Gemeinschaft der Länder - Polen im Besonderen - in eine lange Periode der Stabilität . . . eintreten würde. Doch keiner hatte in seine Planungen das Ereignis einkalkuliert, das der Ideologie, so wie wir sie verstanden, völlig entgegenlief: die Wahl von Kardinal Wojtyla an die Spitze des Vatikans. . . Als das Flugzeug des Papstes im Juni 1979 nach einem neuntägigen Besuch vom Warschauer Flughafen abhob, stießen wir alle einen Seufzer der Erleichterung aus. . .
Ich frage mich, ob irgendeiner der politischen Führer des Landes oder der Verantwortlichen der Kirche die Wirkung dieses Besuches begriffen hatte, ob irgendjemandem bewusst war, dass danach nichts mehr so sein werde wie vorher.“ Die Wahl des Papstes und dessen erster Besuch in seiner Heimat im Jahre 1979 lösen einen friedlichen Volksaufstand aus, der, vom Streik der Danziger Werftarbeiter ausgehend, zur Gründung der Gewerkschaft
Solidarität führt und sich bald über ganz Polen ausbreitet. Während seines ersten Besuches bedenkt der Papst die polnische Regierung nur mit einem freundlichen „Dankeschön“ für den Empfang und für die gute Organisation. Die Kommunistische Partei wird nicht mit einem Wort erwähnt. Da der Papst die Partei und deren Ideologie wie „Luft“ behandelt, wertet er sie als Gegner ab, machte sie zu einem Faktor, der abgewirtschaftet hat.