Vom Krakauer Schloß aus wendete sich Präsident Bush an die ganze Welt.
Präsident Bushs Besuch in Krakau war die große Dankesgeste Amerikas für die polnische Teilnahme an der „Allianz der Willigen“. Im Innenhof des Königsschlosses auf dem Wawel hielt er eine Grundsatzrede über das transatlantische Verhältnis, in der er die gemeinsamen Werte und Interessen im Kampf gegen den Terror hervorhob. Der versöhnliche Ton der Rede war ein gewisser Ausgleich für scharfe Äußerungen von US-Verteidigungsminister Rumsfeld, der Europa, je nach der Haltung der betreffenden Länder zum Irak-Krieg, im Januar 2003 in ein starrköpfiges „altes“ und ein einsichtiges „neues“ Europa geteilt hatte, wobei das widerstrebende Deutschland sich im „alten“, Polen hingegen im „neuen Europa“ wiederfand.
Schon im Spätherbst des Vorjahres hatte Warschau angedeutet, daß es aktiv an einer Invasion im Irak teilnehmen würde – ob mit oder ohne eine UN-Resolution, die den kriegerischen Akt ausdrücklich legitimiert hätte. Sein Versprechen hielt der neue europäische Vorzeige-Verbündete der USA, indem er 200 Soldaten der Kommandoeinheit Grom (Donner)
an den Golf schickte, die aktiv an den Kämpfen teilnahmen. Zusätzlich kreuzte ein polnisches Kriegsschiff im Persischen Golf.
Anfang Mai kündigte Washington an, daß Polen als Anerkennung für seinen Beitrag den Befehl über eine Besatzungszone im Irak erhalten werde, den es im Wechsel mit Spanien
ausüben würde. Während der Vorbereitungen stellte sich jedoch heraus, daß die polnischen Streitkräfte für Planung, Kommunikation und Aufklärung auf Unterstützung angewiesen war. Der polnische Verteidigungsminister sprach davon, daß er gerne deutsche Soldaten an der Seite der polnischen "Stabilisierungstruppen" sähe, doch äußerte sich Berlin, das sich darauf festgelegt hatte, keine Truppen in den Irak zu schicken, nicht zu diesem Wunsch. Schließlich stimmte die Nato trotz ihrer Spaltung in Kriegsgegner und Kriegsbefürworter zu, die Polen zu unterstützen.
Anfang September übernahm Polen schließlich den Befehl über eine 9200 Mann starke multinationale Division, die für eine „Schutzzone“ südlich von Bagdad zuständig sind. Das polnische Kontingent umfaßt 2300 Soldaten. Die Kosten für ihren Einsatz übernimmt das Pentagon. Bisher wurde ein polnischer Soldat getötet. Neben politischer Anerkennung hofft Polen auch auf wirtschaftliche Vorteile aus dem Irak-Einsatz. Immerhin können polnische Unternehmen auf jahrzehntelange Erfahrungen im Zweistromland verweisen.